Kubanische Zigarren werden seit Langem gefälscht. Habanos S.A. versieht deshalb jede Kiste mit mehreren Merkmalen, die sich prüfen lassen. Dieser Beitrag erklärt, was das Garantiesiegel, die Stempel auf dem Kistenboden, der Kistencode und die Bauchbinde aussagen und wo sich ein Code verifizieren lässt.
Warum gibt es gefälschte Habanos?
Fälschungen entstehen, weil die Nachfrage nach bekannten kubanischen Marken gross ist und die Produktion begrenzt. Besonders begehrte Linien und limitierte Ausgaben sind ein Ziel.
Cigar Aficionado hat beispielsweise über gefälschte Cohiba Behike berichtet. Typische Hinweise auf Fälschungen sind ungewöhnlich tiefe Preise, Angebote auf der Strasse oder von angeblichen Kontakten in einer Fabrik sowie Etiketten, die lose beiliegen statt auf der Kiste angebracht zu sein. Kisten mit Glas- oder Klarsichtdeckel stammen laut Cigar Aficionado nicht von Habanos S.A.
Was ist das Garantiesiegel?
Das Garantiesiegel der kubanischen Regierung ist ein Papiersiegel, das über die Kante der Kiste geklebt wird. Es bestätigt die kubanische Herkunft und ist heute mit Hologramm und individuellem Barcode ausgestattet.
Geschichte des Siegels
- 1889: erste Einführung per königlichem Dekret des spanischen Königs.
- 1912: Die unabhängige kubanische Regierung genehmigt per Gesetz ein neues Design, das dem heutigen ähnelt.
- 1931: leichte Überarbeitung.
- 1999: grössere Änderung mit roter Seriennummer und einem Emblem, das nur unter UV-Licht sichtbar ist.
- 2009: Einführung des Hologramms und eines individuellen Barcodes, mit dem jede Kiste von der Produktion bis zum exklusiven Distributor nachverfolgt wird.
Sicherheitsmerkmale
Das aktuelle Siegel trägt rechts ein Hologramm und links, neben dem Wappen, einen Barcode, der jede Packung individualisiert. Laut Habanos S.A. zerstört es sich beim Versuch, es abzulösen, ist gegen Scannen und Fotokopieren geschützt, zeigt im Hologramm zweifarbigen Text mit räumlicher Wirkung und enthält einen Mikropunkt, der nur mit einem Laserscanner sichtbar ist. Angebracht wird es an der oberen linken Seite der Kiste und über die Front gefaltet.
Was bedeutet das Habanos-Siegel?
Das Habanos-Siegel kennzeichnet die geschützte Ursprungsbezeichnung. Laut Habanos S.A. tragen es seit 1994 alle Kisten. Es ist vom Garantiesiegel zu unterscheiden und befindet sich auf der Kiste in der Regel rechts oben.
Was steht auf dem Kistenboden?
Der Kistenboden trägt eingebrannte Angaben zu Herkunft, Hersteller und Machart sowie zwei Tintenstempel. Zusammen geben sie Auskunft darüber, wie, wo und wann die Zigarren verpackt wurden.
- Hecho en Cuba: Seit 1960 ist dieser Schriftzug in den Boden aller Habano-Kisten eingebrannt.
- Habanos s.a.: Seit 1994 eingebrannt; von 1985 bis 1994 stand dort «Cubatabaco».
- Totalmente a mano: Seit 1989 tragen Kisten klassischer Habanos mit Longfiller (tripa larga) diesen Schriftzug, also «vollständig von Hand gefertigt».
- TC: Kisten mit Shortfiller (tripa corta) tragen seit 2002 zusätzlich den Tintenstempel TC.
Wie liest man den Kistencode?
Der Kistencode besteht aus zwei Tintenstempeln: einem Fabrikcode und dem Verpackungsdatum. Dieses System gilt laut Habanos S.A. seit 2000.
Fabrikcode
Der Fabrikcode ist ein Kürzel, meist aus zwei bis vier Grossbuchstaben, das der Industrie zeigt, in welcher Fabrik die Zigarren gefertigt wurden. Habanos S.A. bezeichnet ihn als geheimen Code. Die Kürzel werden periodisch geändert, unter anderem damit Käufer nicht gezielt nach einzelnen Fabriken suchen.
Datumscode
Seit 2000 besteht das Datum aus einer dreistelligen spanischen Monatsabkürzung und einer zweistelligen Jahreszahl, zum Beispiel AGO 19 für August 2019. Die Monate lauten ENE, FEB, MAR, ABR, MAY, JUN, JUL, AGO, SEP, OCT, NOV und DIC.
Vor 2000 wurden Monat und Jahr mit vier Buchstaben verschlüsselt. Grundlage war das Codewort NIVELACUSO, dessen zehn Buchstaben für die Ziffern 1 bis 0 stehen. «OCSC» bedeutete demnach 0797, also Juli 1997.
Aus diesem Codewort ergibt sich folgende Zuordnung: N = 1, I = 2, V = 3, E = 4, L = 5, A = 6, C = 7, U = 8, S = 9 und O = 0. Die ersten beiden Buchstaben stehen für den Monat, die letzten beiden für das Jahr. Ein heutiger Stempel wie «ENE 24» ist dagegen direkt lesbar und steht für Januar 2024.
Der Datumscode bezeichnet das Verpackungsdatum, nicht das Jahr der Tabakernte. Bei gereiften Sonderausgaben wie Reserva oder Gran Reserva wird das Erntejahr separat als «Cosecha» angegeben.
Worauf achtet man bei der Bauchbinde?
Die Bauchbinde ist ein ergänzendes, aber kein eindeutiges Merkmal. Fälschungen fallen laut Cigar Aficionado häufig durch fehlende Prägung, abweichende Farben und ungenaue Details auf.
Ein Vergleich mit gesicherten Abbildungen der jeweiligen Marke, etwa Montecristo oder Partagás, kann Unterschiede in Schrift, Prägung und Farbton sichtbar machen. Zu beachten ist, dass Habanos S.A. die Gestaltung von Bauchbinden im Lauf der Jahre geändert hat; eine abweichende Binde ist daher allein noch kein Beweis für eine Fälschung. Sonderausgaben tragen oft eine zweite Binde, zum Beispiel die schwarz-goldene Binde der Edición Limitada.
Wo lässt sich die Echtheit prüfen?
Habanos S.A. stellt auf habanos.com eine Online-Prüfung bereit. Dort lässt sich der Code des Garantiesiegels eingeben und mit der Datenbank abgleichen.
Die Prüfung bezieht sich auf die Kiste und ihr Siegel. Am aussagekräftigsten ist das Zusammenspiel aller Merkmale: ein intaktes, fest verklebtes Garantiesiegel mit gültigem Code, das Habanos-Siegel, die eingebrannten Angaben und Stempel auf dem Boden sowie stimmige Bauchbinden. Fehlt eines dieser Elemente oder wirken sie widersprüchlich, ist das ein Anlass zur genaueren Prüfung.